Vom Nutzen des Rechnungswesens (3)

Für die Buchführung, die Thema des letzten Blogs war, gibt es gesetzliche Vorgaben, denn für das Finanzamt muss alles seine Ordnung haben, sonst droht Ärger. Sie erinnern sich: „Keine Buchung ohne Beleg!“. In der Kosten- und Leistungsrechnung, mit der wir uns nun beschäftigen wollen, gilt das nicht. Sie ist Bestandteil des internen Rechnungswesens – und das ist Ihre Angelegenheit.

Hier geht es um die zentrale Frage, die Sie als Unternehmerin interessieren muss: Ist meine Praxis wirtschaftlich? Denn daran hängt Ihre Existenz: Lohnt sich meine Arbeit finanziell? Wirft sie Gewinn ab? Um dies genau bewerten zu können, sollten Sie sich selbst Kontrollfragen stellen und die Zahlen prüfen:

Ist das Praxisangebot wirtschaftlich?

Hier Beispiele für Fragen aus dem Bereich Physiotherapie:

  • Wie hoch waren die gesamten Personalkosten?
  • Wie wirtschaftlich sind die einzelnen Personalstellen?
  • Welche Kosten verursacht die Trainingsfläche, und welche Einnahmen werden erwirtschaftet?
  • Welchen Ertrag wirft der Reha-Sport ab?
  • Wie hoch sind die Kosten für eine Personalstunde?

Stimmen die kalkulatorischen Personalkosten?

Um die Fragen nach dem Aufwand für eine Leistung vollständig zu erfassen, muss man die kalkulatorischen Kosten einbeziehen.

Von kalkulatorischen Kosten spricht man, wenn kein Geld geflossen ist, die Leistung aber erbracht wurde.

Zum Beispiel: Sie haben als Praxisinhaberin selbst Klienten therapeutisch behandelt. Hätte eine angestellte Mitarbeiterin von Ihnen diese Behandlungen durchgeführt, hätten Sie sie dafür bezahlt. Dieses Gehalt (zzgl. der Personalnebenkosten) können Sie als kalkulatorische Personalkosten in Anrechnung bringen.

Ein zweites Beispiel: Wenn Sie in der Praxis als Ihre eigene Verwaltungskraft tätig sind, können und müssen Sie auch diese Tätigkeit als kalkulatorische Personalkosten betrachten.

Stimmt der Unternehmerlohn?

Häufig wird die Arbeit, die eine Selbstständige in eigener Praxis leistet, umfassend als „kalkulatorischer Unternehmerlohn“ erfasst. Eine differenzierte Betrachtungsweise führt aber zu mehr Klarheit. Wenn Sie die kalkulatorischen Personalkosten für sich als Therapeutin bzw. als Bürokraft bereits aus dem Gewinn herausgerechnet haben, sehen Sie unterm Strich den Gewinn, den Sie als Unternehmerin durch die Selbstständigkeit erwirtschaftet haben. Das ist die entscheidende Summe.

Haben Sie Preise richtig kalkuliert?

Die Kosten- und Leistungsrechnung dient auch dazu, die Preise für die Dienstleitung oder das Produkt zu errechnen. Wenn die Preise von Kostenträgern festgesetzt oder auf andere Weise limitiert sind, wie das im Gesundheitswesen in großen Teilen der Fall ist, ermittelt man mittels Kosten- und Leistungsrechnung die Kosten, die real bei der Erbringung der Leistung entstehen. Auf diese Weise haben Sie die echten Personalkosten auf dem Tisch und wissen, welches Gehalt Sie einer Mitarbeiterin zahlen können und welches nicht. Kalkulieren Sie die Preise eher „Pi mal Daumen“, laufen Sie Gefahr, Gehälter zu zahlen, die nicht kostendeckend sind und Ihre Praxis letztlich in die Verlustzone bringen. Das wiederum würde auch den Arbeitsplatz Ihrer Mitarbeiterin gefährden.

 

Deshalb: Klären Sie die Frage: Ist meine Praxis wirtschaftlich? Lohnt sich das, was ich tue?

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